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Mit sieben Jahren das letzte Mal Frieden gefühlt

Internationale Förderklasse der Technischen Schulen Steinfurt beteiligt sich an Projekt zur Großausstellung „Frieden. Von der Antike bis heute.“

 

Friedensprojekt

 

Steinfurt/Münster. Er war sieben Jahre alt, als er so etwas wie Frieden fühlte. „Das war, als ich meine Großeltern in Syrien noch ein letztes Mal sehen konnte.“ Danach kam die Angst. Verfolgung, Terror, Krieg und schließlich Flucht beendeten seine Kindheit auf einen Schlag.

Deshalb war es für den jungen Mann auch jetzt, neun Jahre später, nicht leicht, über Frieden zu reden. Und erst recht nicht, eine Antwort auf die Frage zu finden, was dieses Wort eigentlich bedeutet. Der 16-Jährige hat es dennoch versucht – genau wie die 20 Mitschüler seiner Klasse an den Technischen Schulen Steinfurt: Mehr als ein halbes Jahr lang haben sich die Schülerinnen und Schüler der Internationalen Förderklasse (IFK) 3a mit dem Thema auseinandergesetzt.

 

Jeden Montag zwei Stunden im Deutsch-Unterricht, zudem in Workshops sowie in Exkursionen nach Münster, der Stadt des Westfälischen Friedens, ging es um dieses Thema. Die jungen Leute, alle seit etwa zwei Jahren an den Technischen Schulen, haben ihre eigenen Erfahrungen mit Frieden, aber auch mit Flucht und Krieg aufgeschrieben. Sie haben gemalt, mit Holz und Stein gearbeitet, sich künstlerisch dem Thema genähert. Und sie haben Menschen auf der Straße in Interviews befragt und sogar kleine Videos gedreht – es wurden viele Wege eingeschlagen, um die Bedeutung des Begriffes aufzuspüren.

 

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Ein Schulprojekt zum „Frieden“: Neben der Steinfurter IFK beteiligten sich auch vier Schulklassen von zwei Gymnasien, einer Realschule und einem Berufskolleg aus Münster daran. Gefördert wurde das Projekt von den fünf Museen, die in der in Münster laufenden Groß-Ausstellung „Frieden. Von der Antike bis heute“ kooperieren.  Insgesamt 125 Schüler machten sich mit dieser Unterstützung auf den Weg, das Thema Frieden „neu zu vermessen“, wie die Kunstvermittlerinnen Ronja Gansauge und Stephanie Sczepanek erläutern. Die beiden Frauen haben die Schüler sieben Monate begleitet.

 

Ein wichtiges Ziel bei dieser „Friedensarbeit“ war es auch, die jungen Leute miteinander ins Gespräch zu bringen. Unter anderem fertigten die Schüler deshalb Skizzenhefte an, die ihre persönlich Sicht auf Frieden widerspiegeln. „Im Sinne eines Briefbuchs haben wir diese Bücher dann von einem Schüler zum anderen gebracht. Wer dabei was geschrieben hat, blieb unbekannt. So konnten Erfahrungen in einem geschützten Raum ausgetauscht werden“, erläutert Gansauge.  

 

Sie freut sich, ebenso wie Schulleiter Thomas Dues, besonders darüber, dass die Schüler der Internationalen Förderklasse aus Steinfurt trotz ihre Sprachnachteile gegenüber den deutschen Projekt-Schülern ihre anfängliche Scheu schnell abgelegt und engagiert mitgemacht haben. Und dass Frieden auch Symbole braucht, haben Steinfurter IFK-Schüler ebenfalls verinnerlicht: Beim Abschlussfest aller beteiligten Klassen kurz vor Ferienbeginn im LWL-Museum in Münster schenkten sie der Kunstvermittlerin ein selbst gefertigtes Schmuckkästchen aus Holz – wunderbar verziert mit verschiedenen Friedenssymbolen.

 

ZUSATZINFO: An den Technischen Schulen Steinfurt sind im gerade beendeten Schuljahr fast 200 Schüler mit Flucht- und Migrationsgeschichte unterrichtet worden. Im Kreis Steinfurt hat nur die Abendrealschule Rheine noch mehr Schüler mit diesem Hintergrund.