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Weltflüchtlingstag

 

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Vanessa, 16 Jahre alt, Deutsche, Klasse 11 des Technischen Gymnasiums, auf dem Weg zum Abitur. Rawan, 17 Jahre alt, Kurdin aus Syrien, seit Ende 2016 in Deutschland, Internationale Förderklasse, den Hauptschulabschluss vor Augen. Die fast gleich alten Schülerinnen der Technischen Schulen Steinfurt laufen sich praktisch jeden Tag über den Weg. Sie lernen im gleichen Gebäude, sie stehen am gleichen Kiosk, sie nutzen das gleiche W-Lan, sie ärgern oder freuen sich über die gleichen Lehrer.

 

„Und doch wissen unsere deutschen und ausländischen Schüler immer noch recht wenig voneinander. Das möchten wir ändern, wir wollen sie ins Gespräch bringen“, sagt Florian Hülsewig, Bildungsgangleiter für die Internationalen Förderklassen der Technischen Schulen. Am Mittwoch, dem Weltflüchtlingstag, fand daher eine Internationale Frühstücksrunde auf dem Schulhof statt. An langen Tischreihen wurde gegessen und geplaudert – gepaukt wurde erst wieder am Nachmittag.

 

Eine Frühstückstafel zum besseren Kennenlernen: Diese Idee griffen die internationalen Schüler engagiert auf. Gemeinsam mit ihren Lehrern bereiteten sie alles vor und luden ihre deutschen Mitschüler ein. Sie tischten leckere Speisen aus Syrien, Irak, Afghanistan, Nigeria, Eritrea und vielen anderen Ländern auf. Dazu informierten sie auf Plakaten über sich.  

 

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Ihre Herkunft, ihre Sprachen, ihre familiäre Situation, ihre Hobbys, ihre beruflichen Interessen und ihre Wünsche für die eigene Zukunft in Deutschland oder in der Heimat: „Das haben wir alles gar nicht gewusst“, zeigten sich die deutschen Schüler von ihren ausländischen Mitschülern beeindruckt.

 

Bei Falafel oder afghanischem Brot tauschten sie die Schüler aus, die anfängliche Scheu war schnell überwunden. Themen gab es viele: Die Fluchtgeschichte kam zur Sprache, aber auch ganz andere Dinge: Wer wird Fußball-Weltmeister, welche Hobbys habt ihr, wo kann man am Wochenende gut hinfahren kann, um zu chillen, Leute zu treffen oder Partys zu feiern?  „Enschede ist super!“ Da waren sich Vanessa und Rawan schnell einig. Natürlich wurden auch Unterschiede festgestellt: „Ich glaub, die Deutschen sprechen nicht so gern“, hat Farid, ein junger Schüler aus Afghanistan, festgestellt. Deshalb habe er an der Frühstückstafel die Gespräche angefangen. „Kein Problem, mach ich gerne“, sagt er und lächelt.

 

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Ende 2014 ging es mit einer Handvoll junger Flüchtlingen los. Inzwischen gibt es mehr als 170 internationale Schüler an den Technischen Schulen. Sie büffeln Deutsch, Mathe, Englisch, Politik, lernen in den Werkstoffen verschiedene technische Berufe kennen oder befinden sich sogar schon in einer Ausbildung.

 

„Der Weltflüchtlingstag war für uns ein willkommener Anlass, diese Schüler einmal in den Mittelpunkt zu stellen“, so Schulleiter Thomas Dues. Er betont: „Jedes geflüchtete Kind und jeder Jugendliche muss eine Schule besuchen können, nur so sind berufliche Perspektiven und gesellschaftliche Teilhabe möglich.“ Und zu dieser Teilhabe hat, das zeigten die Reaktionen der Schüler, die lange Frühstückstafel am Weltflüchtlingstag sicher beigetragen.