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Muttertag ist NRW-Wahltag: Podiumsdiskussion mit den Landtagskandidaten

Mama ist die Beste - aber wen soll ich bloß wählen?

 

Mama ist die Beste. Sie bekommt bestimmt Blumen. Ein klarer Fall von Wiederwahl. Aber für welchen Politiker, für welche  Partei soll man am 14. Mai, an dem in diesem Jahr nicht nur Muttertag, sondern auch Landtagswahl ist, stimmen?

 

Keine einfache Entscheidung. Besonders dann nicht, wenn man erstmals wählen darf. So wie die meisten der angehenden Abiturienten der Technischen Schulen Steinfurt. Sie hatten deshalb zu einer Podiumsdiskussion eingeladen. Mehr als 90 Minuten nahmen die Schüler die Landtagskandidaten des Wahlkreises Steinfurt I ins Kreuzverhör – und zückten auch gelbe oder rote Karten, wenn die Politiker zu ausschweifend antworteten.

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 Von links: Schulleiter Thomas Dues, Moderatoren Bastian Roters und Anke Fiefhaus, Landtagskandidaten Ulrike Reifig (SPD), Norwich Rüße (Grüne), Felix Holling (CDU) und Alexander Brockmeier (FDP).

 

 

Lange Tradition

Im voll besetzten Multifunktionsraum des Berufskollegs hieß Schulleiter Thomas Dues die Zuhörer willkommen. Insbesondere begrüßte er auch die Landtagskandidaten: Von der SPD saß Ulrike Reifig (59) auf dem Podium, für die Grünen Norwich Rüße (50). Die FDP wurde durch Alexander Brockmeier (24) vertreten. Für Christina Schulze Föcking (CDU), die verhindert war, sprang der Kandidat des Wahlkreises aus dem Tecklenburger Land, Felix Holling (30), ein.  Die AfD, ebenfalls eingeladen, schaffte es offenbar aus organisatorischen Gründen nicht, rechtzeitig an der Veranstaltung teilzunehmen.

 

Zahlreiche Themen

Dues wies darauf hin, dass solche Podiumsrunden vor Landtags-und Bundestagswahlen schon eine lange Tradition an der Schule haben.  Die Diskussion mit den Kandidaten solle „den Schülern helfen, um in verantwortlicher Weise eine Wahlentscheidung zu treffen“.

 

Dafür hatten die Schüler der Maschinenbauklassen 13 a und b des Technischen Gymnasiums (TGM) einen Fragenkatalog erarbeitet. Unter der Moderation der Schüler Anke Fiefhaus und Bastian Roters ging es dabei um zahlreiche Themen: Von der Bildungspolitik über Energie-, Klima- und Umweltpolitik bis hin zu Themen wie Landwirtschaft oder Verkehr in NRW. Auch das Thema der Flüchtlingspolitik kam zur Sprache.

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60 Sekunden Zeit für die Antwort, maximal 90 Sekunden - dann gab es eine rote Karte für Redeverbot: So waren die Politiker gezwungen, sich kurz zu fassen. Deutlich wurden dabei Unterschiede, aber auch Gemeinsamkeiten.

 

Unterschiede und Gemeinsamkeiten

Beispiel Bildungspolitik, Thema Abitur in acht oder in neun Jahren: „Viele unserer Freunde, die in acht Jahren Abi machen müssen, klagen über zu wenig Freizeit und zu viel Stress“, forderte Anke Fiefhaus die Kandidaten zur Stellungnahme auf. „Handwerkliche Fehler“ bei der Umsetzung des noch von CDU und FDP beschlossenen G8 räumten alle Parteien ein – mit allerdings unterschiedlichen Ansichten, wer daran Schuld hat und wie man es besser machen sollte.

 

Reifig (SPD) und Rüße (Grüne) sprachen sich dafür aus, innerhalb der Schulen eine Wahlfreiheit zwischen G8 und G9 zu ermöglichen: Durch „Entschleunigung“ in den Klassen 5 und 6 sowie durch ein längeres gemeinsames Lernen sollen Schüler, Eltern und Schule die Entscheidung für oder gegen das „Turbo-Abi“ erst später treffen müssen. Holling (CDU) und Brockmeier (FDP) wollen hingegen, dass sich Schüler, Eltern und Schulen von vorneherein festlegen: „Eine Schule, ein System. G8 und G9 gleichzeitig an einer Schule, das funktioniert nicht!“, meinte Holling.

 

Weitgehend einig waren sich die Kandidaten, dass für die Inklusion in den  Schulen noch mehr Geld und Personal investiert werden muss. Einigkeit auch beim Thema Digitalisierung. Allerdings: „Es reicht nicht, wenn einfach nur mehr I-Pads und Technik da sind. Es muss auch eine verpflichtende Fortbildung für Lehrer geben, damit sie auch digital unterrichten können. Da hapert es nämlich noch“, sagte Brockmeier.

 

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Gut vorbereitet

An den präzisen Fragen der Schüler zu den verschiedenen Themen war zu merken, dass sie sich im Unterricht intensiv vorbereitet hatten und auch nachhaken konnten. So wiesen sie etwa in der Diskussion über den Öffentlichen Personennahverkehr darauf hin, dass die Bus- und Bahnverbindungen noch keineswegs optimal und Tickets für Auszubildende viel zu teuer sind. Zudem forderten sie beim Thema Energiepolitik die Kandidaten auf, Farbe zu bekennen: „In Deutschland gilt der Atomausstieg. Aber ein paar Kilometer weiter in Belgien steht ein Schrott-Meiler, der NRW-Städte direkt bedroht. Was wollen Sie dagegen tun?“

 

Auch ihre Sorgen um eine gute und zukunftsfähige Landwirtschaft brachten die Schüler deutlich zum Ausdruck. „Müssen wir nicht höhere Preise für artgerechte Tierhaltung zahlen? Und was ist mit dem Grundwasser, das durch Nitrat aus der Massentierhaltung schwer belastet wird? Nur Malta steht bei der Grundwasserqualität europaweit schlechter da als Deutschland!“ 

 

Lob für Integrationsleistung

Klare Positionen erwarteten die Schüler auch beim Thema Flüchtlingspolitik. Die bekamen sie auch – und obendrein ein Lob für ihre Schule: „Die Technischen Schulen sind mit ihrem Unterricht sowie mit ihrer Hilfe bei der Vermittlung in Jobs und Ausbildung ein sehr gutes Beispiel dafür, wie man etwas für die Integration von geflüchteten jungen Menschen tun kann“, sagte Landtagskandidatin Ulrike Reifig zum Ende der Diskussion.

 

Ein Kompliment aus Politiker-Mund: Dann können die gelben und roten Karten, die in dieser rundum gelungenen Podiumsdiskussion ein ums andere Mal gezückt wurden, doch nicht so schlimm gewesen sein.